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Marktlage19. August 20266 Minuten

Weniger offene Stellen, mehr verfügbare Führungskräfte

Weniger offene Stellen, mehr arbeitslose Manager, kürzere Besetzungszeiten. In der Breite sitzen Auftraggeber wieder am längeren Hebel. Für eine Führungsposition gilt das nur eingeschränkt.

Aus dem Kandidatenmarkt ist ein Arbeitgebermarkt geworden

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zählt für das erste Quartal 2026 rund 1,15 Millionen offene Stellen in Deutschland. Das sind 105.800 weniger als im Vorquartal, ein Rückgang von acht Prozent. Auf 100 offene Stellen kommen inzwischen 264 Arbeitslose, im Quartal davor waren es 251.

2,6 % beträgt die Vakanzquote in Deutschland. Das ist der Stand von 2018. Im vierten Quartal 2022 lag der Höchstwert bei 4,5 Prozent.

IAB-Monitor Arbeitskräftebedarf 1/2026. Die Vakanzquote setzt offene Stellen ins Verhältnis zu allen Arbeitsplätzen.

Die Besetzungsdauer folgt der Entwicklung. 2025 vergingen im Schnitt 86 Tage vom Beginn der Suche bis zum Arbeitsantritt, neun Tage weniger als im Spitzenjahr 2022. Auch die Unternehmen selbst melden Entspannung: Im DIHK-Fachkräftereport, für den über 21.000 Unternehmen antworteten, geben 36 Prozent an, offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen zu können. Ein Jahr zuvor waren es sieben Prozentpunkte mehr.

Auf der Führungsebene ist die Verschiebung am deutlichsten. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Jahresdurchschnitt 2025 rund 49.000 arbeitslos gemeldete Führungskräfte, nach rund 43.000 im Jahr davor. Der Anstieg von 14 Prozent fällt nach Angabe der Behörde deutlich stärker aus als bei anderen Beschäftigtengruppen.

Mehr Verfügbare heißt nicht mehr Passende

Wer daraus schließt, eine Führungsposition sei jetzt leicht zu besetzen, übersieht die zweite Zahlenreihe. Das Institut der deutschen Wirtschaft befragte im Sommer 2025 rund 5.000 Beschäftigte zu ihren Karriereplänen. Von denen ohne Führungsverantwortung können sich 14 Prozent eine Führungsposition klar vorstellen. 40 Prozent knüpfen den Schritt an Bedingungen. 43 Prozent wollen nicht.

An erster Stelle steht die hohe Arbeitsbelastung mit 77 Prozent, gefolgt von der großen Verantwortung mit 75 Prozent und der Sorge um das Privatleben mit 73 Prozent. Ein zu geringer finanzieller Anreiz kommt erst danach, mit 48 Prozent.

21 % beträgt der Gehaltsaufschlag für Personalverantwortung in Deutschland. Beschäftigte mit Führungsaufgabe verdienen im Median 62.000 Euro, ohne 51.300 Euro.

Stepstone Gehaltsreport 2026, Auswertung von über 1,3 Millionen Gehaltsangaben. Selbstauskünfte von Plattformnutzern, deshalb nach oben verzerrt.

Die Belastung, die 77 Prozent abschreckt, wird mit einem Aufschlag von rund einem Fünftel vergütet. Der Pool an Menschen, die für eine Führungsaufgabe verfügbar wären, wächst gerade. Der Pool an Menschen, die sie wollen, wächst nicht mit.

Was eine Position attraktiv macht, entscheidet sich damit am Zuschnitt. Die Entscheidungsbefugnis, der Berichtsweg und die Rückendeckung von oben gehören ins Briefing, und zwar bevor über Vergütung gesprochen wird.

Führungspositionen sind auf dem offenen Markt kaum sichtbar

index Research wertet nach eigener Angabe eine der größten Stellenanzeigendatenbanken Europas aus. Für 2024 zählte das Unternehmen rund 45.000 ausgeschriebene Positionen auf C-Level in Deutschland, 19 Prozent weniger als im Jahr davor. Gemessen an allen Stellenanzeigen sind das 0,4 Prozent, also vier von tausend.

Wie Besetzungen tatsächlich zustande kommen, misst das IAB in seiner Stellenerhebung. Von den Neueinstellungen des Jahres 2025 kamen 27 Prozent über persönliche Kontakte zustande, 21 Prozent über Internet-Jobbörsen, 20 Prozent über die eigene Homepage. Der Weg über Menschen, die sich kennen, führt damit häufiger zum Abschluss als jede Plattform.

Gleichzeitig ist die Zahl der Bewerbungen je Anzeige stark gestiegen. Stepstone misst für den Zeitraum Januar bis April 2026 ein fast verdoppeltes Bewerbungsinteresse gegenüber demselben Zeitraum 2023. Mehr Zuschriften heißt mehr Sichtungsaufwand. Passende Kandidaten sind darunter nicht mehr geworden.

Was KI im Recruiting bisher wirklich tut

Bitkom befragt jährlich repräsentativ deutsche Unternehmen. Für 2026 liegt keine einzige KI-Anwendung im Personalwesen über 16 Prozent Verbreitung. Individuelle Weiterbildung führt mit 16 Prozent, Arbeitszeugnisse und Onboarding folgen mit je 14 Prozent.

Im Recruiting im engeren Sinn sind die Werte noch niedriger. Eine Bitkom-Erhebung unter 852 Unternehmen ergab: KI-gestützte Vorauswahl von Bewerbungen setzt ein Prozent ein, KI-geführte Interviews ebenfalls ein Prozent, KI-gestützte Kompetenzanalyse drei Prozent.

1 % der deutschen Unternehmen nutzten Ende 2024 KI zur Vorauswahl von Bewerbungen. Bei KI-geführten Interviews lag der Wert ebenfalls bei einem Prozent.

Bitkom, Erhebung September bis November 2024, 852 Unternehmen ab drei Beschäftigten, veröffentlicht März 2025.

Auf der anderen Seite des Tisches sieht es so aus. In einer Befragung von 2.629 Bewerbern hielten 28,1 Prozent eine KI-gestützte Vorauswahl für akzeptabel, 52,3 Prozent lehnten sie ab. 58,4 Prozent hielten das Modell für richtig, bei dem eine Maschine vorsortiert und ein Mensch entscheidet. Eine reine Maschinenentscheidung akzeptierten sechs Prozent. Die Studie stammt von einem Anbieter für Bewerbermanagement, die Richtung der Werte ist plausibel, ihre genaue Höhe unsicher.

Dieselbe Befragung ließ die Erstkontaktwege bewerten. Eine Terminvereinbarung über einen Chatbot erhielt 2,77 von fünf Sternen, dieselbe Terminvereinbarung durch einen Menschen 4,25.

In der Recherche verschiebt die Technik die Grenze des Machbaren. Sie bringt mehr Unternehmen in den Blick und macht mehr Werdegänge vergleichbar.

Was daraus für eine Besetzung folgt

  • Der Zuschnitt der Rolle entscheidet stärker über den Erfolg als die Vergütung. Wer Führung ablehnt, nennt die Belastung mit 77 Prozent und den finanziellen Anreiz mit 48 Prozent.
  • Wer nur ausschreibt, erreicht einen wachsenden und weniger passenden Teil des Marktes. Die vier von tausend Anzeigen, die Führungspositionen betreffen, konkurrieren mit allem anderen um dieselbe Aufmerksamkeit.
  • Technik gehört in die Recherche. Sie erweitert die Reichweite der Suche messbar.

Ein größerer Bewerberkreis erhöht dabei den Prüfaufwand. Wer heute leichter Kandidaten findet als vor drei Jahren, muss die Auswahl entsprechend tiefer anlegen.

Quellen

  1. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: IAB-Stellenerhebung erstes Quartal 2026, veröffentlicht 8. Juni 2026, 9.342 befragte Betriebe. iab.de
  2. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: IAB-Monitor Arbeitskräftebedarf, Ausgabe 1/2026, zu Vakanzquote und Besetzungsdauer. iab-forum.de
  3. Bundesagentur für Arbeit: Sonderauswertung zur Arbeitslosigkeit von Führungskräften, Jahresdurchschnitte 2024 und 2025, ausgewertet für das Handelsblatt, 14. Januar 2026.
  4. DIHK: Fachkräftereport 2025/2026, Erhebung Herbst 2025, über 21.000 Unternehmensantworten. dihk.de
  5. Flake, Regina / Köhne-Finster, Sabine: Führungsetage leer? Was Beschäftigte wirklich zur Führung motiviert. KOFA Kompakt 1/2026, Institut der deutschen Wirtschaft, Befragung Sommer 2025, rund 5.000 Beschäftigte. iwkoeln.de
  6. Stepstone Group: Gehaltsreport 2026, veröffentlicht 7. Januar 2026, Auswertung von über 1,3 Millionen Gehaltsangaben. stepstone.de
  7. Stepstone Group: Arbeitsmarktbriefing zum Bewerbungsinteresse 2026. stepstone.de
  8. index Research: 19 Prozent weniger Chefposten, Auswertung der Stellenanzeigen des Jahres 2024. index.de
  9. Bitkom: Jedes siebte Unternehmen schreibt Arbeitszeugnisse mit KI, Erhebung 2026, 602 Unternehmen, repräsentativ. bitkom.org
  10. Bitkom: Bewerbung fast überall digital, meistens ohne KI. Erhebung September bis November 2024, 852 Unternehmen, veröffentlicht 10. März 2025. bitkom.org
  11. softgarden: Bewerbungsreport 2025, Befragung von 2.629 Bewerbern im Herbst 2024, zu Akzeptanz von KI und Bewertung der Erstkontaktwege.

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